AusMag - Australien Informations Magazin

© Der Spiegel Nr. 43 vom 20.10.1997

UMWELT - VERGIFTETES GRÜN

Sydney plant die umweltfreundlichste Olympiade aller Zeiten. Doch das Gelände für die Jahrtausendspiele ist mit Dioxin belastet - von Philip Bethge

Athleten, die ihre Iso-Drinks aus FCKW-freien Kühlschränken ziehen und zu Fuß zu den Wettkämpfen eilen; Zuschauer auf PVC-freien Sitzen, die ihr Mittagessen von wiederverwertbaren Tellern löffeln; energiesparende Flutlichtanlagen, Tickets aus Recyclingpapier und Schutzmaßnahmen für bedrohte Frösche auf dem Olympiagelände - so ökofreundlich sollen die Wettspiele des Jahres 2000 in Australien ablaufen.

Umweltschutz als neue Disziplin hat Sydney den Spielen der Jahrtausendwende verordnet. Selbst Greenpeace ist mit einem eigens für die Olympiade ausgearbeiteten Umweltkonzept beteiligt. So erhoffen sich die Planer neben Medaillen, Schweiß und Fair play den Beifall der Welt für Sonnenstrom, Müllrecycling und Brauchwassertoiletten.

Doch jetzt droht die Vision vom grünen Sportspektakel an der Realität zu scheitern. Das Olympiagelände in Sydneys Stadtteil Homebush Bay, auf dem gegenwärtig für rund 3.5 Milliarden Dollar olympische Bauten entstehen, ist stark mit Schwermetallen und Dioxinen belastet.

In der angrenzenden Bucht hat Greenpeace Dioxinkonzentrationen gemessen, die denen des italienischen Seveso-Unglücks von 1976 kaum nachstehen. Seit rund 20 Jahren ist die Verseuchung den Verantwortlichen bekannt; erst jetzt wird mit dem Aufräumen begonnen. "Die grüne Olympiade bekommt einen matschig braunen Schimmer", sagt Michael Bland, Greenpeace-Campaigner für die Spiele.

Bland, der noch vor kurzem zusammen mit dem Organisationskomitee der Olympischen Spiele (OCA) über den Plänen für das umweltfreundlichste Olympiadorf aller Zeiten brütete, nennt Homebush Bay mittlerweile in einem Atemzug mit den Gifthochburgen der Welt, wie den Vättersee in Schweden, die Newark Bay in New Jersey oder die Großen Seen in Nordamerika. Die Bucht, an deren Ufern sich zur Jahrtausendwende rund 15000 Athleten und 300000 Besucher tummeln werden, hat so ziemlich alles gesehen, was stinkt und Dreck verbreitet.

Industrie- und Hausmüll unbekannter Zusammensetzung wurde hier jahrelang abgeschüttet. Eine Holzschutzmittelfabrik, ein Schlachthof und ein Ziegelwerk befanden sich auf dem jetzigen Olympiagelände oder in seiner Nähe. Noch heute steht in der Homebush Bay Sydneys größte Müllentgiftungsanlage.

Das giftigste Erbe aber hinterließ eine Chemiefabrik des US-Chemiegiganten Union Carbide, die bis 1986 an der Bucht in Betrieb war. Das Herbizid 2,4,5-T, besser bekannt unter dem Namen Agent Orange, wurde hier über Jahre gegen weltweites Unkraut und für den Vietnamkrieg produziert. Beiprodukt des Megakillers: 2,4,7,8 TCDD, ein Dioxin, das als eine der giftigsten Substanzen der Welt gilt, krebsauslösend, genverändernd, Verursacher der berüchtigten Chlorakne.

Nun teilen sich im olympischen Untergrund Schwermetalle den Platz mit giftigen Phthalaten, Dioxine liegen neben Asbest und Arsen, Chlorverbindungen und Blei. Bis zu 30 kg Dioxin sollen, in Fässern verpackt und vermischt mit 300 Tonnen anderen Giftmülls, zwischen 1949 und 1971 nach Aussagen ehemaliger Union Carbide Mitarbeiter in drei von Sydneys Müllkippen, unter ihnen Homebush Bay, gewandert sein.

Gefunden hat die Fässer bis heute niemand. Mehrmals seit den achtziger Jahren haben sich Experten dafür ausgesprochen, den vergrabenen Abfall "möglichst ungestört zu lassen". "Wir empfehlen, die verdächtigen Gebiete nicht für Bauvorhaben zu verwenden", schrieb 1981 Peter Yates, damals Mitarbeiter der State Pollution Control Commission des australischen Bundesstaates New South Wales.

Das Dokument, erst im Juli diesen Jahres von der Umweltgruppe "Green Games Watch 2000" zutage gefördert, erwähnt auch das Dioxin und beweist, was das australische Olympia-Komitee bis dahin bestritten hatte: Das Gelände ist mit dem hochgiftigen Stoff belastet, und die Behörden wissen spätestens seit 1978 Bescheid.

Yates, damals noch von der Stillhaltetaktik überzeugt, ist heute Direktor für Umwelt und Planung der staatlichen Environment Protection Authority (EPA). Er überwacht zur Zeit die Verschiebung von 600000 Tonnen Erdreich von einem Ende des künftigen Olympiageländes ans andere. "Wir identifizieren das Material, bewegen und lagern es", beschreibt Yates die neue Strategie der Müllbehandlung. Geschätzte Kosten: 137 Millionen Mark.

Inzwischen ist an mindestens zwölf Stellen Dioxin gefunden worden, teilweise in Konzentrationen, die den gültigen Grenzwert für eine Bebauung um das 300fache übersteigen. Gebiete in der Nähe des im Bau befindlichen, 500 Millionen Dollar teuren olympischen Dorfes, das nach den Spielen zum Wohngebiet werden soll, sind besonders betroffen.

Ein Teil des verseuchten Areals ist mittlerweile von einer gigantischen Menge kontaminierten Materials bedeckt, das von überall her auf dem olympischen Gelände zusamengeschoben wurde. Inzwischen ist der künstliche Berg mit einer Lehmschicht bedeckt, begrünt und mit einem Drainagesystem versehen worden. Die Verantwortlichen glauben das (in Wasser fast unlösliche) Dioxin damit entschärft zu haben - eine Methode, die umstritten ist. "Den Müll einfach zu vergraben ist keine Lösung", sagt Darryl Luscombe, Giftexperte bei Greenpeace: "Hier werden nur ein paar kleine Gebiete für ein paar Wochen im Jahr 2000 sicher gemacht."

Kritik übt auch Karla Bell, Initiatorin der Greenpeace-Beteiligung am Konzept für die grünen Spiele, die kürzlich aus Enttäuschung ihre Mitarbeit an Ökolympia aufkündigte und heute als Umweltgutachterin arbeitet: "Es gibt Technologien, den verseuchten Boden wirklich zu entgiften.", sagt die Umweltschützerin, "aber das wird nicht gemacht - es kostet mehr Geld, und die Zeit dafür wird knapp."

Bell wirft dem OCA zudem vor, durch das Umgraben des Geländes die Situation sogar noch zu verschärfen: "Sind die Schadstoffe erst einmal vermischt, ist es viel schwieriger, den Boden zu säubern."

Nur an wenigen Stellen soll der Müll wirklich entsorgt werden. Die australische Forschungsorganisation CSIRO hat ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Dioxin fast rŸckstandsfrei zerstšrt werden kann. Es soll eingesetzt werden, um das ehemalige Union-Carbide-Fabrikgelände und die extrem verschmutzte Bucht zu säubern.

Noch 1993 bei der Bewerbung Sydneys um die Olympiade war dieses Gewässer zentraler Bestandteil des Konzepts: Fähranlegestellen waren geplant, Promenaden, Kanäle und Luxushotels am Wasser sollten die Besucher locken.

Inzwischen ist die Bucht vom olympischen Masterplan ausgenommen. Bereits seit 1990 ist das Fischen dort verboten. An den Ufern des Gewässers haben Greenpeace-Mitarbeiter im Juni den bisher wohl spektakulärsten Giftfund gemacht. Wenige Kilometer vom Olympiagelände entfernt stellten sie 69 Fässer mit extrem dioxinhaltigem Müll aus der ehemaligen Herbizidfabrik sicher, davon 52 angerostet. "Ein toxischer Alptraum", stöhnt Greenpeacer Michael Bland.

21 Millionen Dollar stellte die Regierung von New South Wales zur Beseitigung dieser Giftlast bereit. Zwei Firmen versicherten, die notwendige Technik zu beherrschen.

Für einige war das Grund genug, dem Desaster auch Positives abzugewinnen: "Die Säuberung der Bucht", brüstete sich der zuständige Minister für Häfen, Carl Scully, "wird New South Wales zum Weltführer in Dioxinfragen machen."

Philip Bethge



© Der Spiegel Nr. 33 vom 11.08.1997

COMPUTER - STILLE EINTRACHT

In zwei Wochen findet in Japan die erste Fußballweltmeisterschaft für Roboter statt. Forscher erhoffen sich von ihr einen Innovationsschub - von Philip Bethge

Noch ist nicht ganz klar, woher Andrew Price seinen Optimismus nimmt. In wenigen Tagen schon will er mit seinen "Raiders" Fußballweltmeister werden. Doch noch verweigert das Team meist seinen Dienst. Es dribbelt nicht, es schießt nicht, es schlägt keine Flanken - es liegt zerstückelt im Labor.

Eine ganze Horde von Ingenieurstudenten beugt sich über die niedergestreckten Ballkünstler, trennt ein Kabel vom Controller, lötet den Chip ans M_topboard oder säubert das Motorenwerk - "kontrolliertes Chaos", wie Price es nennt. Im australischen Royal Melbourne Institute of Technology (RMIT) laufen die letzten Vorbereitungen für "RoboCup 97", die erste Fußballweltmeisterschaft für Roboter.

Forscherteams aus aller Welt - unter ihnen Price mit seinen "Raiders" - haben die sportliche Herausforderung angenommen. In zwei Wochen wollen sie im japanischen Nagoya ein Stück Fußball- und Robotergeschichte schreiben. Im Rahmen der IJCAI-97, der jährlichen internationalen Konferenz zur Künstlichen Intelligenz (KI), sollen erstmals Geschöpfe aus Kabeln, Plastik und Blech flanken, treffen und punkten.

"Roboter-Fußball ist die nächste große Herausforderung nach dem Computerschach", sagt der japanische Computerforscher Hiroaki Kitano, Vorsitzender des internationalen RoboCup-Komitees. Gerade erst ist den Erbauern Künstlicher Intelligenz mit dem Sieg des IBM-Großrechners "Deep Blue" über Schachweltmeister Garri Kasparow ein spektakulärer Triumph geglückt. Schon peilen sie ein neues Ziel an: den chipgesteuerten Torjäger.

"Wir richten die Konzentration der Roboter auf den Ball", erklärt Australier Price, seit November letzten Jahres am RMIT mit dem Training der "Raiders" betraut - und nennt damit auch schon das größte Problem. Denn im Maschinensport gilt bereits als taktisch im Vorteil, wer den Ball gefunden hat. Viele der elektronischen Dribbler suchen ihn ohne Erfolg.

Denn die Praxis erweist, daß die Gesetze und Tücken der Alltagswelt weit schwieriger in Bits und Bytes zu fassen sind als Schachpartien oder Planetenbahnen. Ein brillantes Matt ist ein Kinderspiel gemessen an der Kunst des Doppelpasses. Noch vor wenigen Jahren vermochte kaum ein Roboter auch nur unfallfrei durch einen Korridor zu navigieren. Selbst ausgeklügelte Kameratechnik verleiht den Maschinen nur grobe Übersicht. Ihre Bewegung bleibt tolpatschig und orientierungslos.

Der Sport soll das nun ändern. Rund 30 Teams werden in Nagoya in drei Ligen um Sieg und akademische Ehren kämpfen: Virtuelle Fußballer messen sich im Cyberspace im Angriffsspiel; Miniroboter kicken Golfbälle über Tischtennisplatten; doch nur die Spieler der Oberliga, in der neben den RMIT-"Raiders" fünf Teams aus den USA und Japan starten, treten echtes Leder über ein fünf mal acht Meter großes Fußballfeld.

Alljährlich wollen die Funktionäre das Regelwerk den Fortschritten der Ingenieure anpassen. So soll schon bald der Wall fallen, der verirrte Spieler bisher an der Flucht vom Spielfeld hindert, und auch Fouls sollen schärfer gepfiffen werden, wenn es gelingt, den Robotern die bisher etwas wahllose Rempelei abzugewöhnen.

Das Design bleibt den Kontrahenten vorerst freigestellt. Die Kicker des "Dreamteams" von der University of Southern California etwa ähneln kleinen Modellautos, die den Ball mit der Stoßstange vorwärts treiben. Andere sehen aus wie kleine Golfwägelchen, oder sie gleichen schwarzen, auf Bällen gelagerten Plastikkübeln, wie die "Raiders" des Australiers Price.

Auch die Methode, mit der die Teams den Pokal erringen sollen, ist unterschiedlich gewählt. Shen Wei-min, Herr über das kalifornische "Dreamteam", züchtet eigenmächtige Einzelkämpfer heran: "Unsere Spieler sehen gut, entscheiden schnell und handeln eigenständig." Hoji Suzuki vom Asada Laboratory im japanischen Osaka setzt auf die Lernfähigkeit seiner Blechkicker; spezielle Programme sollen sie fähig machen, aus Erfahrung zu lernen und so ihre Pässe und Flanken immer treffsicherer zu plazieren.

Andrew Price schließlich glaubt, seinen elektronischen Geschöpfen Teamgeist einimpfen zu können; er hat ein Kommunikationssystem für seine Roboter erdacht. Über Infrarotsignale teilen sie sich die Position des Balles mit ("Er liegt neben dir") oder kündigen geplante Spielzüge an ("Ich laufe nach links").

Vorerst allerdings ist fraglich, ob sich die Trainer mit derlei Raffinessen nicht übernommen haben. Als beste Taktik unter Roboter-Fußballern gilt vorerst noch der Bolzeifer des Vorschulfußballers. "Alle laufen nach dem Ball. Wer ihn bekommt, versucht, das Tor zu treffen", so beschreibt Price die in bisherigen Testspielen den größten Erfolg versprechende Roboter-Strategie.

Denn noch fehlt den meisten der elektronischen Sportler der rechte Ballinstinkt: Torwarte stehen starr, während der Ball langsam an ihnen vorbei über die Torlinie kullert. Stürmer drehen sich derweil orientierungslos im Kreis, schießen Eigentore in Serie oder treten "nach den roten High-Heels einer Zuschauerin am Spielfeldrand", berichtet Price.

Um solch peinliche Pannen zu vermeiden, hat der Forscher Stürmer und Torwart seines fünfköpfigen Teams mit Hochgeschwindigkeitskameras bestückt, die das Spielgeschehen in 25 vom Computer auswertbare Farbbilder pro Sekunde zerlegen. Alle Roboter sind zusätzlich mit einer Übersichtskamera verbunden, um Ball, Mitspieler, Gegner und Tor an ihren vom Regelwerk definierten Farben jeweils zweifelsfrei zu erkennen. Ein eigens entwickeltes Chassis erlaubt Bewegung und Schuß in alle Richtungen.

"Fußball vereint unendlich viele unserer Probleme in einem einfachen Spiel, das alle Welt versteht", schwärmt Robologe Hiroaki Kitano - für ihn Grund genug, dem mechanischen Matthias Sammer vielfältige Nachkommenschaft zu prophezeien. Teamgeist, Sehvermögen und Beweglichkeit, das sei der Grundstock für eine ganz neue Robotergeneration. Schon werden in Japan intelligente Maschinen für den Haushalt entwickelt. Der amerikanische Roboterexperte Rodney Brooks hat Wesen geschaffen, die sich insektengleich auf feingliedrigen Beinen fortbewegen und Gäste durch sein Labor geleiten.

Visionäre fabulieren bereits von Maschinen, die im Team Großbrände löschen, Menschen aus Lawinen retten, kriegerisch gegeneinander zu Felde ziehen oder auf dem Mond Hotels errichten. Das Knowhow dazu, da ist Kitano sicher, werden sie im Fußballspiel erwerben.

Bald schon will der geistige Vater des RoboCup von den heutigen fünf auf elf Spieler pro Mannschaft aufstocken. Und dann sei es auch nicht mehr weit bis zu den ersten Fußballrobotern, die auf richtigen Beinen ins Stadion marschieren. Bis zum ebenbürtigen Duell Mann gegen Maschine allerdings werden selbst nach Kitanos Prognose noch rund 40 Jahre vergehen.

Im Trainingscamp von Melbourne ist das noch schwer vorstellbar. Selbst wenn Andrew Price seine Mannschaft ausnahmsweise einmal vollständig zusammengeschraubt zum Bolzen antreten läßt, steht sie meist in stiller Eintracht auf dem Feld. Der Teppichboden sei zu rauh zum Rollen, die Infrarotverbindung noch im Werden, tröstet sich der Forscher.

Vom Erfolg seiner "Raiders" ist Price, der seit 13 Jahren keinen Fußballplatz mehr betreten hat, dennoch überzeugt: "Am Ende verlieren immer die Teams, die zuviel über Fußball nachgedacht haben."



© Der Spiegel Nr. 23 vom 02.06.1997 Seite 182 - 185

TIERE - SEUCHENZUG NACH PLAN

Ein Virus soll Australien von seiner Kaninchenplage befreien. Doch die Methode ist umstritten, die Folgen der biologischen Kriegführung sind ungewiß - von Philip Bethge

Der Tod kam von Süden her übers Meer. 20 Millionen raffte er in nur zwei Monaten dahin.

Calicivirus lautet der Name des Killers. Ist ein Opfer erst infiziert, stockt sein Blut innerhalb von zwei Tagen. Gerinnsel verstopfen Äderchen in Lunge, Niere und Herz. Dann versagen die Organe. Blut rinnt aus der Nase, wenig später tritt der Tod ein.

Die Seuche, ausgelöst durch das Calicivirus, wütet derzeit unter Australiens Kaninchen. Gesandt wurde sie nicht von Gott. Der tödliche Erreger stammt aus einem Labor auf der südaustralischen Wardang-Insel. Dort erprobten Forscher, verschanzt hinter doppeltem Sicherheitszaun, das Virus als biologische Wunderwaffe gegen die seit Jahrzehnten in Australien grassierende Kaninchenplage.

Doch Stacheldraht hält Viren nicht auf. Vermutlich im Gepäck einer Buschfliege gelang dem Erreger der Ausbruch, im Oktober 1995 erreichte er das australische Festland. Wenige Wochen später hatte er 95 Prozent der Kaninchen in den nahe gelegenen Bergen den Tod gebracht.

Den Wissenschaftlern blieb nur, die ungeplante Seuche für erwünscht zu erklären und sie nach Kräften zu schüren. Seit dem vergangenen Oktober setzten sie, diesmal planmäßig und offiziell, an 400 weiteren Stellen Australiens das Virus frei. Doch immer mehr gerät der Sinn des Biokrieges, den die Forscher gegen die Kaninchen austragen, in Zweifel: Die Erfolge der Attacke gegen die lästigen Karnickel bleiben hinter den Erwartungen zurück. Zudem erklären manche Virologen den Ausgang des Freilandexperiments für "unkontrollierbar und unvorhersagbar".

Weder ist genau geklärt, wie das Virus entstanden ist und wie es übertragen wird, noch ob es in der Lage ist, auch andere Tierarten oder gar den Menschen zu befallen. "Die ganze Idee, das Virus gegen die Kaninchen einzusetzen, war von Anfang an ein Fehler", kritisiert David Matson, Virologe von der Eastern Virginia Medical School: "Schlecht ausgedacht, schlecht geplant, schlecht durchgeführt."

Schon die erste Schlacht hatten die Biologen verloren: 1950 hatten sie ihren Kampf gegen das Europäische Wildkaninchen Oryctolagus cuniculus, das 1859 nach Australien eingeschleppt worden war, eröffnet. Das Myxomatose-Virus wurde importiert und raffte innerhalb von zwei Jahren mehr als 90 Prozent der australischen Hasentiere dahin.

Doch die Wirkung des Programms verpuffte. Mittlerweile sind mehr als 50 Prozent der Kaninchen resistent gegen die Seuche. Schon tummeln sich wieder rund 300 Millionen Tiere auf dem fünften Kontinent und verursachen landwirtschaftliche Schäden von etwa 780 Millionen Mark im Jahr. Die Langohren buddeln sich in den Boden, verletzen die Wurzeln von Gräsern und Bäumen und beschleunigen die Erosion. Sie fressen den Farmern das Getreide und dem Vieh das Futter weg. Sie entrinden Bäume, mümmeln seltenes einheimisches Grün und stören die sensible australische Tierwelt.

Ökologen und Bauern gleichermaßen erschien deshalb das neue Virus zunächst als Segen. Tatsächlich ist seine Wirkung in den trockenen Gebieten Australiens unübersehbar. Zum erstenmal seit 20 Jahren sprießen auf den Sanddünen der Simpsonwüste in Zentralaustralien wieder harte Igelgräser.

Im Nordterritorium wurde wieder öfter das seltene, knapp mäusegroße Rides Ningaui gesichtet. Die Zahl der Westlichen Grauen Riesenkänguruhs hat sich in einigen Naturschutzgebieten nach dem Massentod der Kaninchen versechsfacht. Auch stark gefährdete Arten wie der Kaninchennasenbeutler - in ganz Australien leben nur noch knapp 1000 Exemplare - könnten sich, so die Hoffnung, wieder von der Schwemme der überlegenen Konkurrenten aus Europa erholen.

"Die Auswirkungen des Virus sind teilweise dramatisch", sagt Tony Robinson, Virologe der Division of Wildlife and Ecology der australischen Forschungsorganisation CSIRO (Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation). Und Landwirtschaftsminister John Anderson sprach noch im November von der "signifikant erhöhten Chance", Millionen von Hektar Land langfristig kaninchenfrei zu machen.

Doch der neueste Bericht des Bureau of Resource Sciences in Canberra, das den Seuchenzug des Virus in Australien überwacht, liest sich anders. Zwar hat es sich mittlerweile in allen australischen Bundesstaaten und Territorien ausgebreitet. Die Zahl der Kaninchen jedoch hat sich in etwa der Hälfte der untersuchten Gebiete kaum verringert. Besonders in den feuchteren Küstenregionen blieb das Massensterben bislang aus.

"Der Mechanismus der Übertragung ist immer noch unklar", klagt Richard Bellamy, Direktor der School of Biological Sciences im neuseeländischen Auckland. "Schon die Tatsache, daß das Virus von der Wardang-Insel entkommen ist, zeigt doch, wie wenig darüber bekannt ist."

Vögel, Füchse, verwilderte Katzen und die verschiedensten Arten von Fliegen und Mücken wurden bereits als Überträger diskutiert. Mal ist es die Temperatur, dann die Regenmenge, die die unterschiedliche Wirksamkeit des Erregers erklären soll. "Vielleicht liegt es auch an der Freisetzungstechnik, die wir verwenden", spekuliert Mary Bomford, Expertin des Bureau of Resource Sciences. Wurden bisher künstlich infizierte Tiere freigelassen, um das Virus zu verbreiten, sollen im kommenden Frühjahr mit dem Erreger kontaminierte Köder ausgelegt werden. Minister Anderson, "etwas enttäuscht" von der bisherigen Entwicklung, hat inzwischen eine neue "Herbstoffensive" angekündigt.

Weltweit trifft solcherlei Aktionismus zunehmend auf Unverständnis. Noch weiß niemand, ob eingeschleppte Räuber wie Katzen oder Füchse statt Kaninchen jetzt seltenen Beuteltieren nachstellen werden. Auch die heimischen Greifvögel, beispielsweise der Keilschwanzadler, haben sich weitgehend auf die Einwanderer umgestellt: Sie sind mittlerweile abhängig vom Kaninchenfleisch, könnten also den Massentod ihres Hauptbeutetiers als verhängnisvoll erleben.

Die größten Sorgen macht den Experten jedoch das Calicivirus. "Wirtswechsel" und "Artensprung" sind die Schreckbegriffe der Biologen. Zwar ist das Kaninchenvirus in mehr als 40 Ländern der Erde verbreitet. Auf die Idee, es vorsätzlich freizusetzen, ist vor den Australiern jedoch noch niemand gekommen. "Wir haben es hier mit einem riesigen Experiment zu tun, das neue Viren mit neuen Eigenschaften hervorbringen könnte", so der spanische Virologe Francisco Parra. Inzwischen millionenfach multipliziert, verändere sich das Virus ständig. "Wir haben keine Ahnung, ob nicht schon andere Tierarten angesteckt worden sind."

Noch deutlicher wird US-Veterinär Alvin Smith von der Oregon State University, der seit 1971 an einem mit dem Kaninchenkiller verwandten Virus forscht. "Vier der fünf bekannten Calicivirus-Gruppen verursachen Krankheiten beim Menschen", so Smith im Wissenschaftsmagazin SCIENCE. Ein breites Spektrum verschiedener Wirte sei ein "herausragendes Merkmal" der Caliciviren-Familie. "Das plötzliche Auftauchen und die Gefährlichkeit des Virus zeigen, daß es fast sicher nicht im Kaninchen entstanden ist", so der Forscher.

Rückendeckung bekommt Smith von David Matson aus Virginia. "So wie ich die Daten lese, hat das Virus bereits einen Wirtswechsel hinter sich - und zwar zum Kaninchen", sagt er. Noch immer ist unklar, woher der - von Forschern erstmals 1984 in China isolierte - Erreger ursprünglich kommt. Während Smith und Matson argwöhnen, daß er von einem noch unbekannten Urwirt auf das Kaninchen übergesprungen ist, glauben die australischen Forscher, das aggressive Virus sei aus einer harmlosen Form hervorgegangen, die erst kürzlich im Darm eines italienischen Farmkaninchens entdeckt wurde.

Zudem verweisen die Australier auf umfangreiche Tests zur Gefährlichkeit des Kaninchenkillers. Insgesamt 33 Tierarten, vom australischen Kurzschnabeligel über den Koala bis zum ordinären Rind, traktierten Forscher des Australian Animal Health Laboratory im südaustralischen Geelong mit dem Erreger - lange vor den mißglückten Experimenten auf der Wardang-Insel. Vier Exemplare jeder Art bekamen das 1000fache jener Virendosis gespritzt, die normalerweise 50 Prozent der Kaninchen tötet. In keinem der Versuchstiere, erklärt Niall Byrne, Sprecher des Instituts, habe sich eine Virusvermehrung nachweisen lassen. "Wir haben dem Virus im Labor jede Möglichkeit gegeben, auf andere Tiere überzuwechseln. Gesprungen ist es trotzdem nicht."

"Das Risiko für andere Arten ist ungefähr so groß wie die Chance, von einem Meteoriten getroffen zu werden", versichert auch CSIRO-Forscher Tony Robinson. Schließlich sei das Kaninchen-Calicivirus in Europa schon seit Jahren verbreitet. In Italien allein habe es kurz nach seiner Entdeckung 64 Millionen Farmkaninchen infiziert und getötet. "Wir sind umgeben von Caliciviren", beteuert der Virologe. "Katzen haben spezifische Caliciviren. Menschen haben andere. Das Kaninchenvirus ist absolut sicher."

Smith und Matson halten dem entgegen, daß die in den Tests verabreichte Virendosen zu niedrig gewählt, die Ergebnisse falsch interpretiert wurden. "Die ganzen Tests waren so aufgebaut, daß nichts Negatives gefunden werden konnte", so Matson. Ein Fuchs, der auch nur ein einziges infiziertes Kaninchen fresse, nehme die vielfache Menge der in den Versuchen gespritzten Virendosis auf.

Zudem hätten einige der Testtiere, unter ihnen der neuseeländische Kiwivogel, Antikörper gegen den Erreger entwickelt - ein Zeichen für eine Abwehrreaktion des Körpers. Der Forscher will nicht einmal ausschließen, daß das Kaninchen-Calicivirus längst auf den Menschen übergesprungen ist und dort harmlose Krankheiten, beispielsweise Durchfall, auslöst. "Wirklich untersucht hat das bisher niemand."

Unbeeindruckt von derlei Zweifeln, erweitern die Australier bereits das Arsenal ihrer Biowaffen. Erst kürzlich gelang es Wissenschaftlern in Canberra, bei Labormäusen mit Hilfe eines manipulierten Virus Schwangerschaften zu verhindern. Außerhalb Australiens jedoch zeigt der Wissenschaftlerstreit erste Wirkung.

So mehren sich in Neuseeland die Stimmen, die sich gegen die für 1998 geplante Einführung des Kaninchenkillers auch auf dem Kiwi-Archipel aussprechen. "Die Folgen für Neuseeland könnten katastrophal sein", warnt die New Zealand Association of Scientists. Auch das neuseeländische Gesundheitsministerium hat sich inzwischen gegen den Virenimport ausgesprochen.

"Wir sollten warten, bis neue Ergebnisse aus Australien vorliegen", empfiehlt Virologe Richard Bellamy aus Auckland. "Wir haben die wunderbare Gelegenheit, bei einem riesigen Experiment zuzusehen, und die sollten wir nutzen."





© Der Spiegel Nr. 20 vom 12.05.1997 Seite 212 - 215

TIERZUCHT - GENPAKETE AUS DER KÜHLTRUHE

Auf dem Reißbrett der Gentechnik konstruieren Wissenschaftler das Haustier der Zukunft. Beispiel Australien: Dort entstehen muskelbepackte Superschweine und Schafe, die ihr dichtes Wollkleid auf ein mit dem Futter gegebenes Signal hin selber abwerfen - von Philip Bethge

John Smeaton hat einen Schatz im Eisschrank, und keiner will ihn haben. "12 Millionen Dollar hat uns dieses Schwein gekostet", sagt der Manager der Firma BresaGen in Thebarton im Bundesstaat Südaustralien und zieht ein kleines Röhrchen mit milchtrüber, gefrorener Lösung aus der Kälte: "Und jetzt dürfen wir es nicht auf den Markt bringen."

Das teure Schwein, zur Zeit allein existent in Form tiefgefrorener Samenfäden, hat Aussichten, als erstes gentechnisch verändertes Tier der Welt in der Pfanne zu brutzeln. Nach künstlicher Befruchtung in der Gebärmutter eines normalen Schweins herangezogen, wird das Super-Schwein größer als seine Artverwandten. Es verwertet sein Futter besser, sein Fleisch ist besonders mager - und das alles ohne die bisher üblichen Begleiterscheinungen der Genveränderung wie Gelenkdeformationen, Arthritis und Herzschwäche.

Doch noch traut sich niemand an das mittlerweile patentierte Produkt gentechnischer Manipulation heran. "Die australischen Behörden konnten sich nicht entscheiden, das Tier für den Markt freizugegeben", klagt Smeaton. Denn sein Schwein ist ein Spitzenprodukt jener aufstrebenden Industrie, die jahrtausendealte Haustiere des Menschen neu konstruieren will.

Weltweit verändern Wissenschaftler das Wachstum von Schafen und Schweinen. Sie greifen in Stoffwechsel und Immunsystem von Rindern und Lachsen ein und verändern die Eigenschaften von Fleisch, Wolle und Milch. Sie lassen menschliche Proteine aus den Eutern von Kühen und Ziegen rinnen und wollen Tiere mit vermenschlichten Organen züchten.

An vorderster Front im Wettlauf um das Nutztier der Zukunft: Australien, ein Land in dem gut 18 Millionen Menschen, rund 27 Millionen Rinder und 126 Millionen Schafe leben.

Westlich von Melbourne im australischen Bundesstaat Victoria liegt der kleine Flecken Bacchus Marsh. Das Land ist flach wie ein Kuchenblech. Vereinzelte Eukalyptusbäume recken ihre Zweige in den Himmel. Ein paar Rinder verlieren sich in der Weite. "Das Land ist unser Kapital. So billig wie in Australien kann man Rinder sonst fast nirgendwo produzieren", sagt Ian Lewis, während er seinen Wagen unter einem Torbogen hindurch zu einem weißen Farmgebäude lenkt.

Lewis ist Veterinär an einem der weltweit größten Institute für Fortpflanzungsforschung, dem Institute of Reproduction and Development bei Melbourne. Zur Zeit arbeitet er vorwiegend hier draußen im australischen Hinterland für Genetics Australia. Die Farmerkooperative, Australiens größtes Unternehmen für künstliche Rinderzucht, verdient ihr Geld bislang mit dem Verkauf tiefgefrorenen Rindersamens. Für 9,5 Millionen Australdollar (12,7 Millionen Mark) hat Genetics Australia im letzten Jahr an die 120 000 Liter Samenflüssigkeit verkauft. "Illawarra Shorthorn" oder "Holstein Friesian" steht auf den Röhrchen mit der weißlichen Flüssigkeit, die an "besamungstaugliche" Kühe "geliefert" werden, so der Jargon der Rinderzüchter.

Ian Lewis ist erfahren in der Prozedur. Die Hand im Rektum der Kuh, erfühlt er durch die Darmwand den Muttermund, führt dann mit der anderen Hand eine "Besamungspistole" in die Gebärmutter des Tieres ein und injiziert einen Viertelmilliliter Samenflüssigkeit. Das Verfahren, seit über 30 Jahren Standard in der Rinderzucht, sorgt dafür, daß beispielsweise ein Elite-Bulle aus Europa Tausende australischer Kühe befruchten kann, ohne sie auch nur gesehen zu haben.

Doch bald könnte die Befruchtung per Pistole durch noch ausgefeiltere Formen der Vermehrung ersetzt werden. Denn vor kurzem hat Lewis zusammen mit Kollegen etwas Rekordverdächtiges geschaffen: Aus einem einzigen vier Tage alten Rinderembryo haben die Forscher 470 neue, genetisch identische Embryonen geklont - eine technische Leistung, die abermals zu einer Revolution in der Tierzüchtung führen könnte. "Die Embryonen sollen den Samen ablösen", sagt Lewis. "In Zukunft wollen wir das fertige Genpaket an unsere Kunden liefern."

"Embryo multiplication and transfer" nennen die Wissenschaftler die Methode, mit der sie schon in wenigen Jahren in kommerziellem Stil Embryonen vervielfältigen wollen. Sie ähnelt jener Klonierungs-Technik, die das Schaf "Dolly" im schottischen Roslin entstehen ließ (SPIEGEL-Titel 10/1997). Ausgangspunkt der Prozedur ist in diesem Fall allerdings keine ausdifferenzierte Körperzelle wie bei Dolly, sondern ein ausgewählter Rinderembryo, dessen Eltern sich als für die Züchtung besonders wertvoll erwiesen haben.

Im Alter von rund fünf Tagen wird das Embryo seiner Hülle beraubt. Die entweder 16 oder 32 zu diesem Zeitpunkt bereits entstandenen Zellen werden voneinander getrennt. Jede einzelne dieser "Elite-Zellen" - sie enthalten das züchterisch wertvolle genetische Material für ein ganzes Rind - wird mit der entkernten, also vom Erbgut befreiten Eizelle einer Kuh durch Anlegen eines elektrischen Stromes verschmolzen. Aus einem Embryo entstehen so 16 oder 32 neue mit identischem Erbgut, die in einer Nährlösung herangepäppelt werden.

Durch mehrfaches Wiederholen dieser Prozedur gelang es den Forschern um Lewis, eine ganze Herde von Embryonen zu produzieren. Noch ist es schwierig, die so vervielfältigten sogenannten Blastocysten auch gesund zur Welt zu bringen. Sie werden per "Embryotransfer" in Leihmutterkühe übertragen und wachsen dort heran.

Bisher sind erst sechs klonierte Kälber geboren worden. Doch Bernie Harford, Chef von Genetics Australia, ist zuversichtlich: "Wir werden die Technik verbessern und einen robusten Produktionsprozeß entwickeln", sagt der Manager. Dann könnten genetisch identische Embryonen in großer Anzahl und zu geringem Preis produziert werden. Schon in wenigen Jahren, so Harford, sollen Embryonen statt Samenzellen in die Gebärmutter gespritzt werden.

Der Vorteil der neuen Technik für die Farmer liegt auf der Hand. Bei der herkömmlichen künstlichen Besamung stammt nur die Hälfte der Gene von einem Elite-Bullen. Die andere Hälfte steuert die eigene - meist minderwertigere - Kuh bei. Mit Hilfe von EMT jedoch werden im Labor die Gene eines Elite-Bullen und einer Elite-Kuh zum perfekten Erbgut verschmolzen. "So können wir in fünf Jahren die gleiche Erbgutverbesserung erreichen wie bisher in 30 Jahren", verspricht Manager Harford.

Zum noch machtvolleren züchterischen Werkzeug könnte die Klonierung von Embryonen in Kombination mit anderen, in jüngster Zeit entwickelten Verfahren werden. Weltweit arbeiten Forscher daran, das Erbgut und damit die Eigenschaften von Tieren gezielt im Labor zu verändern.

In Zukunft, so die Hoffnung der Wissenschaftler, könne man die genetisch veränderten Kreaturen dann durch Klonen schnell und in beliebiger Zahl vervielfältigen. Ganze Herden von gentechnisch manipulierten Kühen, Schweinen und Schafen werden denkbar. Sie sollen resistenter gegen Krankheiten sein, weniger Futter brauchen, schneller wachsen und mehr Fleisch, Milch oder Wolle produzieren.

Bereits Anfang der achtziger Jahre schufen Gentechniker die ersten erbgutveränderten Tiere. Mäuse wurden mit Ratten- und Menschengenen bestückt, produzierten artfremde Enzyme oder Wachstumshormone. 1985 gab es die ersten "transgenen" Schweine und Schafe, es folgten Rinder, Fische und Hühner.

Mittlerweile sind die Wissenschaftler in der Lage, gezielt Gene so ins Erbgut zu dirigieren, daß sie nur in bestimmten Körperteilen aktiv werden. Schon rinnt Ziegen der amerikanischen Firma Genzyme Transgenics ein Stoff namens Antithrombin-III aus den Eutern, ein Eiweiß, das die menschliche Blutgerinnung kontrolliert. Rinder der kalifornischen Firma GenPharm International produzieren das menschliche Protein Lactoferrin, das antibakteriell wirkt und die Säuglingsmilch bereichern soll.

Schottische Wissenschaftler haben das Wachstumsgen von Lachsen mit einem Frostschutz versehen, so daß sie auch im Winter wachsen. Neuseeländische Schafe tragen ein neues Gen, dessen Produkt in den Haarfollikeln der Tiere wirksam wird und das Wollwachstum beschleunigt. Australische Forscher arbeiten unterdes am Dumping-Schaf.

In Prospect bei Sydney, direkt am motorendröhnenden Great Western Highway, der die Metropole mit den Blue Mountains im Hinterland verbindet, residiert die Division of Animal Production der australischen Forschungsorganisation CSIRO (Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation). Am Horizont glitzert die Skyline der Millionenstadt. Der Geruch von Schafen wabert in der warmen Luft und vermischt sich mit dem Dieselgestank landwirtschaftlicher Maschinen. Einige langgezogene Stallungen und Gehege drängen sich um Verwaltungsgebäude und Laboratorien.

Im zweiten Stock eines der Gebäude blickt CSIRO-Mitarbeiter Alan Fawcett, umlagert von Spritzflaschen, Chemikalien und mit allerlei Mixturen gefüllten Glaskolben, in ein riesiges Mikroskop.

Die Arme beidseits auf Schienen abgestützt, bewegt Fawcett unter der Linse in konzentrierter Ruhe eine haarfeine Glaskapillare auf die künstlich befruchtete Eizelle eines australischen Merino-Schafes zu.

Langsam bohrt sich die Spitze - so fein, daß sie keinen Schaden hinterlassen wird - durch die Hülle der Zelle. Fawcett betätigt einen Schalter, und eine hydraulisch betriebene Pumpe spritzt eine kleine Menge Desoxyribonucleinsäure (DNS) in den Zellkern.

Das kleine Stück Erbsubstanz entstammt dem Bakterium Escherichia coli und enthält den Bauplan für zwei Enzyme, die das Schaf selber nicht produzieren kann. Durch die "pronukleare Mikroinjektion", so der Name des Verfahrens, wird die Fremd-DNS im Zellkern in die Nähe des Schaferbgutes befördert und soll sich dort, so hoffen die Forscher, mit der DNS des Schafes verbinden. Die so manipulierte Eizelle wird dann in eine Leihmutter eingepflanzt und wächst zum Lamm heran. Es entsteht ein Tier mit im Labor verändertem Erbgut, ein transgenes Schaf.

In diesem Fall soll die zusätzliche Erbinformation dem Schaf die Bildung des Eiweißbausteins Cystein ermöglichen, eines wesentlichen Bestandteils von Wolle. Selber herstellen kann das Tier den Stoff kaum. Normalerweise beziehen die Wiederkäuer das Cystein aus der Nahrung. Ist jedoch das Futter karg - in Australiens Wüsteneien nicht selten der Fall -, lichtet sich das Wollkleid.

"Wir hoffen, daß die Schafe mit den neuen Genen den Stoff selbst synthetisieren und dann auch bei schlechtem Futter gute Wolle liefern", sagt Bruce Brown, CSIRO-Embryologe und Hüter jener acht Lämmer, die bereits mit Bakterien-Erbgut bestückt in Prospect geboren worden sind. Braunäugig plinkern sie in die Welt und reagieren verstört auf alles, was sich nähert.

Sie blöken wie Schafe, riechen wie Schafe, sehen aus wie Schafe und enttäuschen jeden, der sich Spektakuläres erhofft. Selbst ihre Wolle sieht aus wie jede andere. Doch habe "jedes einzelne dieser Tiere", so Brown, "Hunderttausende von Dollars" gekostet und solle dafür in Kürze mehr Wolle produzieren als jedes andere Schaf der Welt.

Der australischen Wollindustrie käme das gerade recht. Während 1990 noch 842 000 Tonnen Wolle in Australien produziert wurden, waren es im letzten Jahr nur noch rund 641 000 Tonnen. "Die Nachfrage nach Wolle geht weltweit zurück, die Preise sinken", sagt Elke Scheuermann, Sprecherin des australischen International Wool Secretariat.

Mit den neuen Schafen könne die Produktion von Wolle billiger werden und die australische Wollindustrie, die jährlich Wolle im Wert von rund 4,3 Milliarden Mark exportiert, wettbewerbsfähig bleiben. "Mit herkömmlicher Züchtung verbessert sich die Qualität der Tiere nur um zwei Prozent pro Jahr", sagt Scheuermann. "Wir investieren in die Gentechnik."

Große Durchbrüche allerdings erwartet sie in den nächsten Jahren noch nicht. Tatsächlich ist der Erfolg gentechnischer Experimente oft ungewiß. Denn selbst wenn die neuen Gene im Erbgut verankert werden - bisher klappt das bei maximal fünf Prozent der manipulierten Tiere -, steht noch nicht fest, ob die erwartete Wirkung auch eintritt.

"Ein neues transgenes Tier hat in den meisten Fällen schlechtere Eigenschaften als sein Vorgänger", sagt Oliver Mayo, Chef der CSIRO Division of Animal Production. Zu schwer seien die biologischen Vorgänge im Tierkörper zu durchschauen, zu unbekannt noch die komplexe Wirkung von Genen auf den Organismus. "Die Entwicklung wird sehr langsam gehen", prognostiziert der Wissenschaftler.

Den Forschungsdrang der Gentechniker bremst dies nicht. Neben Wachstum und Qualität haben sie schon seit Jahren auch das Wohlergehen der Nutztiere im Visier. Um sie fit für immer intensivere Tierhaltung zu machen, suchen die Forscher die Abwehrkräfte der Kreaturen zu stärken. So soll ein Gentransfer Schweine vor der Grippe feien. Bei Kühen soll die Übertragung von Genen antibakterieller Proteine Euterentzündungen vorbeugen.

Auch landwirtschaftliche Produktionsverfahren wollen die Forscher verbessern. Im australischen Prospect beispielsweise steht die "biologische Wollernte" kurz vor der Kommerzialisierung. Kaum 100 Meter von den Cystein-Schafen entfernt fristen Kreaturen ihr Leben, die eine ganz neue Art der Wollschur hinter sich haben. Einige von ihnen tragen bunte Netze über der Wolle. Andere sind so gleichmäßig geschoren, daß sie fast nackt wirken.

Den Schafen ist ein Enthaarungsmittel, der Hautwachstumsfaktor EGF (Epidermal Growth Factor), injiziert worden. Durch den in transgenen Bakterien hergestellten Stoff entsteht in jedem Schafhaar eine Bruchstelle, die nach ein bis zwei Wochen Wachstum die Hautoberfläche erreicht. Einem Pullover gleich läßt sich dann das Wollkleid vom Körper ziehen. Die arbeits- und kostenaufwendige Schur entfällt.

Um die Tiere vor Sonnenbrand und Kälte zu schützen, wird ihnen das Fell allerdings frühestens vier Wochen nach der Behandlung abgenommen. So lange hält ein eigens entwickeltes Kunstfasernetz das Fell an Ort und Stelle.

In Zukunft, hoffen die Forscher, könnte sogar die EGF-Spritze entfallen. Mit einem ins Erbgut eingeschleusten Gen soll das Schaf dann das Enthaarungsmittel in großen Mengen produzieren können. Durch einen Futterzusatz könnte der Mechanismus aktiviert, die Wolle vom Körper gelöst werden.

Daß solcherlei Technik auch Gefahren oder Unwägbarkeiten bergen könnte, glauben die australischen Forscher nicht. CSIRO-Forscher Alan Brownlee hält gentechnische Methoden sogar für weniger riskant als herkömmliche Zucht. "Bei der konventionellen Züchtung werden die Gene zufällig vermischt", so der Wissenschaftler. "Im Vergleich dazu manipulieren wir auf eine sehr kontrollierte Art und Weise."

Brownlee trifft damit die Meinung der meisten Australier. Ob genveränderte Tomaten, medizinische Anwendungen der Gentechnik oder geklonte Kühe: kaum ein Bewohner des fünften Kontinents scheint die neue Technik wirklich zu fürchten.

Eine Studie des australischen Department of Industry, Science and Technology von 1995 zeigt, daß nur zehn Prozent der Australier die Risiken der Gentechnik höher einschätzen als deren Nutzen. Eine "klare Mehrheit" dagegen sei der Meinung, daß die neue Technik überwiegend Vorteile mit sich bringe

Vor allem Veränderungen in Viehzucht und Pflanzenbau werden den Gentechnikern meist positiv angerechnet. "Australier finden erst mal alles gut, was mit Landwirtschaft zu tun hat", erklärt Veterinär Ian Lewis - eine Einstellung, die sich offenbar auch auf die Gesetzgebung auswirkt.

Wer im Land der Känguruhs und Koalas gentechnische Forschung durchführen will, muß sie zwar vom staatlichen Genetic Manipulation Advisory Committee (GMAC) prüfen und genehmigen lassen. Doch die bestehenden Regelungen, so CSIRO-Forscher Mayo, seien "weitgehend freiwilliger Natur".

Auch für Markteinführung und Kennzeichnung gentechnisch veränderter Produkte gibt es bisher in Australien kein Gesetz - ein Umstand, den sogar die Forscher selbst beklagen. "Wir hätten gern eine klare, einfache gesetzliche Regelung", sagt Genetiker Mayo. "Dann wüßten wir wenigstens, woran wir sind."

BresaGen-Manager Smeaton aus Südaustralien hat die Unklarheiten schmerzlich erfahren. Sein Super-Schwein liegt nun schon seit Monaten auf Eis - und das, obwohl es eines der ersten Tiere der Welt ist, das durch ein eingeschleustes Gen an Muskelmasse zunimmt und dennoch gesund bleibt.

Das wurde erst möglich durch den immer besseren Einblick in die Mechnismen der Genregulation und Hormonwirkung. Denn bei anderen Muskelschweinen führt der künstlich erhöhte Hormonspiegel während des Wachstums zu schweren Schäden. Das von Smeaton eingeschleuste Gen für das Hormon PST (Pig Somatotropin) bleibt jedoch zunächst stumm - und das Schwein gesund. "Wir haben unser Gen so konstruiert, daß wir es von außen an- und abschalten können", erläutert der Forscher.

Als Schalter dient ein aus dem menschlichen Erbgut entnommener und modifizierter "Promoter", der dem PST-Gen vorangestellt wird. Erst wenn der Bauer Zink zum Futter mischt, verändert sich der Stoffwechsel des Schweines. Sechs Wochen vor der Schlachtung wird das PST-Gen angeschaltet; das Schwein setzt 10 bis 15 Prozent zusätzliches Fleisch an und verliert dieselbe Menge Fett.

Die Vermarktung des Tieres jedoch scheiterte an der Gesetzeslücke. Zwar bescheinigte die GMAC der Super-Sau die gesundheitliche Unbedenklichkeit. Doch die Australia New Zealand Food Authority konnte sich nicht für das Tier erwärmen und forderte Smeaton auf, das Fleisch der Schweine zumindest freiwillig als gentechnisch verändert zu kennzeichnen.

Das aber ließ sich im Schlachthof nicht durchsetzen. Die Tiere hätten zu umständlich über den ganzen Produktionsprozeß hinweg verfolgt werden müssen. "Wir mußten die bereits geborenen Schweine schließlich erschießen", berichtet Smeaton. Seither existiert die Super-Sau nur noch als tiefgekühlter Samen, der möglicherweise bald in die USA verkauft wird.

Statt dessen hat Smeaton ein neues Betätigungsfeld entdeckt, bei dem er auf weniger Widerstand hofft: Jetzt will BresaGen Schweine entwickeln, die so menschenähnliche Herzen, Nieren oder Lebern haben, daß sie als Organspender für Menschen dienen könnten.

Auch die CSIRO-Forscher in Prospect haben ein neues Ziel ihrer gentechnischen Aktivität ausgemacht und einer aus Südafrika importierten parasitären Fliege den Kampf angesagt.

Lucilia cuprina, so der wissenschaftliche Name des Insekts, legt ihre Eier in die Wolle der Merino-Schafe. Die Larven fressen dann große Wunden in die Haut der Tiere. Jetzt wollen die Wissenschaftler ein Gen aus Tabakpflanzen ins Schaferbgut einschleusen, welches das Gift Chitinase kodiert. Dann, so hofft Projektleiter Alan Brownlee, könnten die Schafe das Mittel zum Abtöten der Fliegenlarven "in ihren eigenen Schweißdrüsen" produzieren und sich so gegen die Plage wehren.

Der Wirkstoff Chitinase zerstört Chitin, den Baustoff des Außenskeletts von Insekten. Die Folge: Die Schmarotzer würden sich auf der Schafhaut einfach auflösen.

Philip Bethge



© Der Spiegel Nr. 5 vom 25.01.1997 Seite 168

TIERE - PFOTEN IM LEHM

Biologen rätseln: Immer wieder werden Spuren des Beutelwolfs gesichtet - obwohl der gefürchtete Viehräuber längst als ausgestorben gilt - von Philip Bethge

Tasmanischer Tiger im Zoo von Hobart, 793kb QuickTime movie

Das Tier, das Wildhüter Charlie Beaseley am 25. Januar 1995 an der Ost-Küste Tasmaniens sah, war "dreckig braun mit schwarzen Streifen am Brustkorb" und hatte "das Gesicht eines Staffordshire Bullterriers, nur länger".

Auf einem Felsvorsprung, knapp 350 Meter von Beaseley entfernt, war die "hundsgroße" Kreatur in der frühen Dämmerung aufgetaucht. Zwei Minuten dauerte die Erscheinung, dann "räkelte" sich das Geschöpf, drehte um und verschwand, den "schweren, känguruhartigen Schwanz" hinter sich hertragend, in dichtem Gebüsch.

"Viele werden mich jetzt für verrückt halten, aber ich habe ihn wirklich gesehen", teilte Beaseley später der staunenden Weltöffentlichkeit mit. Was den erfahrenen Waldläufer aus der Fassung brachte: Er glaubte, einem Beutelwolf begegnet zu sein - einem Tier, das seit 60 Jahren als ausgestorben gilt. Am 7. September 1936, so die gängige Expertenmeinung, verendete das letzte Exemplar, eine bedauernswerte Kreatur namens Benjamin, im Zoo von Hobart, der Hauptstadt Tasmaniens.

Wildhüter Beaseley steht mit seiner Beobachtung nicht allein. Acht- bis zwölfmal pro Jahr flattern den Experten der tasmanischen Naturschutzbehörde sogenannte sightings auf den Tisch, Meldungen verstörter Bauern oder aufgeschreckter Weidmänner, die das Beuteltier, auch Tasmanischer Tiger genannt, gesehen haben wollen.

Und jedes gesichtete sandfarbene Haarbüschel, jeder unidentifizierte, in den tasmanischen Lehm gedrückte Pfotenabdruck nährt erneut die Vermutung, daß es Thylacinus cynocephalus, den "Beutelhund mit Wolfskopf", noch gibt. Tasmanien, 65 000 Quadratkilometer große Insel südlich des australischen Festlands, hat damit seine eigene Version des Monsters von Loch Ness.

Die bekannte Geschichte des räuberischen Beutlers überspannt rund 350 Jahre. Als erster Europäer fand der holländische Steuermann Jacobszoon, der 1642 im Auftrag des Entdeckungsfahrers Abel Tasman die Insel erforschte, Fußabdrücke des Beutelwolfes. 1803 wurde das Eiland, bis dahin von tasmanischen Ureinwohnern bewohnt, von Briten besiedelt. Das gestreifte merkwürdige Tier, für den Menschen ungefährlich, erschien den Siedlern bald als grausamster Viehräuber aller Zeiten.

Im Brockhaus von 1898 ist von einem "den Schafsherden höchst schädlichen, großen räuberischen Tier" die Rede. Der alte Brehm befindet, der Tiger ähnele "einem Metzgerhund", sei "geistlos" und verströme "öde Leere". So werden Prämien auf den Kopf des Tieres ausgesetzt, allein zwischen April 1888 und Juni 1909 fallen 2184 Exemplare den Farmern zum Opfer.

Als die Tierart 1936 schließlich unter Schutz gestellt wird, ist schon seit drei Jahren kein freilebendes Exemplar mehr gesehen worden. Nur zwei Monate später stirbt Beutelwolf Benjamin im Zoo von Hobart. Das größte räuberische Beuteltier aller Zeiten gilt damit als ausgerottet.

Doch weil die Bergwelt der Insel weit und unerforscht, die Hoffnung der Menschen endlos und ihr schlechtes Gewissen drückend ist, reiht sich seither ein "tiger tale", ein Märchen vom Überleben des gestreiften Unikums an das andere.

Schon 1945 glaubt eine Expedition unter der Leitung des Biologen David Fleay Fußabdrücke des Beutelwolfs im Westen der Insel aufzuspüren. Am 9. Oktober 1957 wird ein auf charakteristische Weise getötetes Schaf gefunden - Kehle aufgeschlitzt, der Brustkorb geöffnet. Von 1968 bis 1972 versuchen Zoologen das Tier mit automatischen Kameras zu fotografieren - ohne Erfolg.

Anfang der achtziger Jahre macht sich die tasmanische Nationalparkverwaltung auf die Suche nach dem gestreiften Räuber. 100 000 Dollar Belohnung werden für den Beweis seiner Existenz ausgesetzt. Neben zahllosen Abenteurern aus aller Welt reihen sich der amerikanische Medientycoon Ted Turner, Cartoonzeichner Walt Disney und Everest-Bezwinger Sir Edmund Hillary in die Schar der Beutelwolfjäger ein.

Einen wirklichen Nachweis der Existenz - Fotos oder Filmaufnahmen guter Qualität - konnte jedoch bisher keiner der Beutelwolfjäger liefern. "Die Chance, den Tiger zu finden, ist allmählich gleich Null", sagt der deutsche Beutelwolfexperte Heinz F. Moeller: Zu viel Zeit sei mittlerweile vergangen, ohne daß ein Tier gesehen wurde. Selbst im zerklüfteten, dichtbewaldeten Südwesten Tasmaniens, dem Ort höchster "tiger tale"-Dichte, gibt Moeller dem Beutelwolf keine Chance mehr. Weil das Tier offenes Gelände zur Jagd bevorzugte, ist sein Überleben im Regenwald mehr als fraglich.

Der Erfindungskraft indes sind solcherlei wissenschaftliche Erkenntnisse nicht abträglich. Von "ganzen Rudeln mit Jungtieren" hat Moeller schon gehört, und von "Beutelwölfen so groß wie Ponys", obwohl das Tier maximal 60 Zentimeter Rückenhöhe hatte.

Sogar auf dem australischen Festland, auf dem der Beutelwolf schon vor über 2000 Jahren ausgestorben ist, wollen einige der Jäger fündig geworden sein. Mitte der achtziger Jahre tauchten Farbfotos aus Westaustralien auf, die das gestreifte Hinterteil des Tieres aus einem Erdloch ragend zeigten. Zunächst als wissenschaftliche Sensation gefeiert, wurden die Bilder bald anhand des Schattenwurfs als Fälschungen entlarvt.

Ganz ausschließen wollen aber selbst Experten nicht, daß vielleicht doch der eine oder andere Tasmanische Tiger alle Widrigkeiten überstanden hat. "Ein Promille Chance gibt es immer", sagt Beutelwolfexperte Moeller. Die Legende lebt.





© Berliner Zeitung 25/6/97

AUSTRALIEN - HEFTIGE DEBATTEN UM DEN LETZTEN WILLEN

Vor einigen Monaten wurde die weltweit erste Erlaubnis zur aktiven Sterbehilfe aufgehoben. Aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen - von Philip Bethge

Die 56jährige Esther Wild aus Darwin im australischen Northern Territory sank am Sonntag, dem 13.April 1997, in ein durch starke Schmerzmittel ausgelöstes Koma.
Mehrmals in den folgenden Tagen erlangte die krebskranke Frau ihr Bewußtsein zurück.
Am 17.April starb sie unter den Händen des Arztes Philip Nitschke aus Darwin.
Esther Wilds langsamer Tod ist das jüngste Kapitel in der seit knapp zwei Jahren anhaltenden, emotional geführten Debatte um die aktive Sterbehilfe in Australien.
Erst sechs Wochen zuvor hatte der australische Senat das bis dato im Northern Territory gültige, weltweit einzigartige Gesetz zur Sterbehilfe außer Kraft gesetzt.
Mit 38 zu 33 Stimmen hatten sich die AbgeIll-act" ausgesprochen, ein Gesetz, das seit Juli 1996 vier krebskranken Menschen den selbstgewählten schnellen Tod durch eine Drogeninjektion brachte.
Damit schien die Debatte zunächst beendet zu sein.
Doch seither streiten Ärzte, Politiker und Sterbehilfe-Aktivisten mehr denn je darum, ob unheilbar Kranke ein Recht auf die Herbeiführung des Todes mit Medikamenten haben sollten, also ein Recht auf Euthanasie.
In zwei Bundesstaaten Australiens laufen Gesetzesinitiativen, um die Sterbehilfe erneut zu ermöglichen.Ärzte haben öffentlich bekannt, den Tod von Patienten auch ohne Gesetz eingeleitet zu haben.
Die Entscheidung des Senats, als Gewissensentscheidung ausgewiesen, wird als Intrige beschimpft.
Viele Australier ­ knapp 70 Prozent von ihnen haben sich in Umfragen für die freiwillige Euthanasie eingesetzt ­ fühlen sich von den Senatoren schlecht vertreten.
Esther Wilds Tod zeigt das ganze Dilemma der Debatte.
Ist das Sterben als Folge einer Überdosis schmerzlindernder Medikamente für Euthanasiegegner wie den liberalen Politiker Kevin Andrews "gute ärztliche Praxis", halten Sterbehilfebefürworter wie der Darwiner Arzt Philip Nitschke, der allen vier unter dem Gesetz gestorbenen Patienten in den Tod half, dieselbe Prozedur für "Folter".
An vorderster Front gegen die Euthanasie streiten in Australien die Lebensschützer der Bewegung "Right To Life Australia". "Wenn man erlaubt, daß Ärzte Patienten töten ­ wer wird dann noch sicher sein?" fragt Margaret Tighe, Vorsitzende der Organisation.
Wie viele Euthanasiegegner befürchtet sie, daß nach einer Legalisierung der Sterbehilfe Patienten auch unfreiwillig zu Tode kommen könnten."Haben wir erst ein Gesetz, werden Leben darauf geprüft werden, ob sie es wert sind, erhalten zu bleiben ­ auch im wirtschaftlichem Sinne", so die Anti-Sterbehilfe-Aktivistin.
Auf ihrer Seite weiß Tighe die Australian Medical Association (AMA), die Vertretung des medizinischen Berufsstandes in Australien, sowie die anglikanische und katholische Kirche Australiens, letztere erst kürzlich vom Vatikan in der Ansicht bestärkt, daß Euthanasie eine "Revolte gegen Gott" bedeutet.
AMA-Mitarbeiterin Robyn Cahill glaubt, daß den Ärzten bereits heute Mittel zur Verfügung stünden, ihren Patienten "den Tod zu erleichtern". "Eine gute Schmerzbehandlung in einem Hospiz ist völlig ausreichend", so Cahill.
Zudem unterstützten nach Umfragen nur rund zehn Prozent der Ärzte das Konzept der freiwilligen Euthanasie.
Anderer Ansicht ist der Urologe Rodney Syme, Präsident der "Voluntary Euthanasia Society" im australischen Bundesstaat Victoria."Die Heuchelei des Gesetzes muß beendet werden", sagt Syme: "Es ist lächerlich, daß die humansten Methoden der Sterbehilfe wie eine tödliche Injektion verboten sind, das Abschalten von Maschinen jedoch erlaubt ist."Zudem habe die Wirklichkeit die Rechtslage längst überholt, so Syme.
Denn schon heute würden Mediziner auch ohne Gesetz den Tod von Patienten aktiv herbeiführen.
In einer Umfrage der Wochenzeitung "Sunday Age" unter 54 Ärzten im australischen Bundesstaat Victoria hatten 22 Ärzte, unter ihnen Rodney Syme, angegeben, Todkranken beim Sterben geholfen zu haben, zwölf von ihnen gar im Bewußtsein der Illegalität."Es ist zwar sehr unwahrscheinlich, daß Ärzte für aktive Sterbehilfe bestraft werden", so Syme.
Schließlich wolle die Regierung kein Aufsehen erregen.
Unterstützung bekommt der Arzt von wissenschaftlicher Seite.
Eine Studie des "Centre for Human Bioethics" der Monash University in Melbourne zeigt, daß bei 30 Prozent aller Tode in Australien das Sterben vom Arzt beschleunigt wird.
Auch ohne eindeutige Gesetzgebung kommen demnach zwei Prozent der Patienten durch aktive Sterbehilfe ums Leben.
Helga Kuhse, Direktorin des Bioethik-Zentrums meint, erst die Legalisierung der Euthanasie werde eine "wirksame öffentliche Kontrolle" ermöglichen.
Im politischen Streit um die Sterbehilfe dienen wissenschaftliche Erkenntnisse allenfalls als Kanonenfutter.
Zu emotional sind konservative und linke Kräfte in den Streit um Tod und Leben verstrickt. Während die australischen Grünen vor der Senatsentscheidung über das Euthanasiegesetz medienwirksam die Ehepartner der unter dem Sterbehilfegesetz getöteten Patienten nach Canberra baten, um die Senatoren vom Sinn der Euthanasie zu überzeugen, wird den christlich-konservativen Kräften massive Lobbyarbeit hinter den Kulissen vorgeworfen.
Die Befürworter der Euthanasie haben jedoch inzwischen nächste Schritte eingeleitet.
Schon ist eine neue Gesetzesvorlage zur Legalisierung der Sterbehilfe in das Parlament von South Australia eingebracht worden.
Der Premier von Victoria, Jeff Kennett ­ ein Mann, der den Tod durch Sterbehilfe als "wunderbar" beschreibt ­, denkt laut über eine ähnliche Gesetzgebung nach.
Beide Gesetze, sollten sie zustande kommen, könnten nicht mehr von der Zentralregierung in Canberra überstimmt werden, weil South Australia und Victoria als Bundesstaaten einen unabhängigeren Rechtsstatus genießen als das Northern Territory.
Sterbehelfer Philip Nitschke interpretiert die gesetzliche Grauzone derweil auf seine Art.
Um Sterbewilligen den Tod zu erleichtern, hat er kürzlich den Prototypen einer sogenannten Koma-Maschine gebaut, der allerdings noch nicht zum Einsatz gekommen ist.
Gesteuert von einem Computer, der die Hirnaktivität überwacht, sorgt die Maschine für einen kontinuierlichen Drogenfluß aus Morphium und Beruhigungsmitteln in die Blutbahn des Sterbewilligen.
Droht der ins Koma versetzte Patient zu erwachen ­ das ist an den Hirnströmen ablesbar ­ soll das Gerät die Drogendosis automatisch erhöhen.
Der Tod würde nach wenigen Tagen eintreten.



© Berliner Zeitung 23/4/97

OLYMPIA 2000 - UMWELTSCHUTZ ALS NEUE DISZIPLIN

Mit Solarenergie, Regenwassertanks, Mülltrennung und einem perfekten öffentlichen Nahverkehrsnetz will Sydney Öko-Weltmeister werden - von Philip Bethge

Am 15.September 2000 sollen in Australien die umweltfreundlichsten Olympischen Spiele aller Zeiten starten.
Die Olympioniken werden Müll trennen wie die Weltmeister, ihre Energiedrinks in FCKW-freien Kühlschränken lagern und zu Fuß zu den Wettkämpfen laufen, statt mit dem Auto hinzufahren.
Wenn die Sportler ins Stadium einlaufen, sollen sie von Energiesparlampen angestrahlt werden, von Tausenden von Zuschauern auf PVC-freien Sitzen bejubelt und von einem der größten Solardächer der Welt beschattet werden.
Um Plastikmüll zu vermeiden, löffeln die Besucher ihre Suppe aus Tellern, die gegen Pfand ausgegeben und hinterher abgewaschen und wiederverwendet werden."Sydney wird die Welt begeistern", sagt Peter Ottesen, Umweltbeauftragter des Sydney Organisation Comitee for the Olympic Games (SOCOG). Erstmals in der Geschichte der Olympiade will Sydney in vier Jahren nicht nur dem Sport ein ideales Umfeld bieten, sondern beim Bau der Spielstätten und der Organisation der Wettkämpfe konsequent hohe Umweltstandards umsetzen."Wir wollen der Welt und allen künftigen Spielen ein Vorbild sein", sagt Ottesen und hofft neben Medaillen, Fairplay und Sportbegeisterung auf Sonnenstrom, Müllrecycling und Komposttoiletten.
Die Idee für Ökolympia entstand bereits 1992, als Sydney für seine Bewerbung um die Spiele ein mit Greenpeace erarbeitetes Konzept vorstellte."Die ganze Welt war damals durch die Umweltkonferenz von Rio sensibilisiert", erinnert sich Michael Bland, Greenpeace-Betreuer für die grünen Spiele.
Auf Druck einer Bürgerinitiative erklärte das norwegische Olympiakomitee der Winterspiele in Lillehammer 1994 die Umweltverträglichkeit zum dritten olympischen Ideal neben Sport und Kultur.
Das Internationale Olympische Komitee zog nach und forderte die Bewerber für die Olympiade 2000 auf, Umweltschutz in die Planung miteinzubeziehen.
Am 29. 9. 93 wurde der Wettstreit in Monte Carlo entschieden: Sydney gewann mit nur einer Stimme vor Peking.
Seither wird hart daran gearbeitet, den selbst gesetzten Maßstäben gerecht zu werden.
Mitarbeiter von Greenpeace und Regierungsvertreter des australischen Bundesstaates New South Wales ersannen ökologische Richtlinien für die Spiele, die 1994 zum Gesetz erklärt wurden. 1996 gründeten australische Umweltverbände die Organisation Green Games Watch 2000, die über das Gelingen der grünen Spiele wachen soll.
Nun analysieren unabhängige Gutachter das geplante Müllkonzept und werben für die Nutzung von Brauchwasser und öffentlichem Nahverkehr.
Die Liste der ökologischen Vorgaben läßt kaum etwas zu wünschen übrig.
Das olympische Dorf beispielsweise, dessen Bau in zwei Monaten beginnt, soll "der größte, mit Solarenergie betriebene Stadtteil der Welt werden", so Peter Ottesen.
Geplant sind rund 2500 Apartments mit Wärmedämmung, Sonnenkollektoren zur Heißwasserversorgung und Solardächern, die 60 Prozent des Strombedarfs der Wohnungen erzeugen sollen.
Weder PVC noch Urwaldholz dürfen die Ökobilanz trüben.
Ein Regenwassertank auf dem Dach wird Dusche, Waschmaschine und Toilette mit Wasser versorgen; in der Küche wird ein FCKW-freier Kühlschrank summen.
Ihren Müll können die Athleten in vier Fraktionen trennen: Papier, Verpackungen, Kompost und Restmüll."Die Pläne sind hervorragend", sagt Peggy James, Koordinatorin von Green Games Watch 2000.Auch Greenpeacer Bland findet, daß für die Spiele "alles ziemlich gut aussieht".
So soll beim geplanten Olympiastadion in Sydneys Vorort Homebush Bay, dem Hauptveranstaltungsort der Spiele, das giftige PVC (Polyvinylchlorid) durch ungiftige Kunststoffe und Stahl ersetzt werden.
Die 110000 Menschen fassende Arena wird so gut wie möglich das Tageslicht ausnutzen, damit zumindest tagsüber weniger Scheinwerfer gebraucht werden. Für die Stromerzeugung ist ein Solarkraftwerk mit 20 Megawatt Leistung geplant.
Die Herkulesaufgabe hat das australische Komitee aber noch vor sich: Wie kann man die rund 15 000 Athleten und 35 000 Helfer aus über 200 Ländern, die für die 16tägigen Spiele erwartet werden, auf Umweltschutz trimmen?
Wie täglich 300 000 Besucher versorgen, ohne Ökofrevel zu begehen?
Sydney will die Fehler der Olympiade von Atlanta 1996 vermeiden.
Damals produzierten zwei Millionen Fans und 15 000 Athleten rund 6000 Tonnen Abfall, der eigentlich wiederverwertet werden sollte.
Doch weil die Recyclinganlage ihre Lizenz nicht rechtzeitig erhalten hatte, landete der Müll größtenteils auf der Halde.
Außerdem war das Computernetz zusammengebrochen, so daß alle Informationen gedruckt werden mußten und der Papierverbrauch enorm hoch war.
Zudem war der öffentliche Nahverkehr in Atlanta hoffnungslos überlastet.
Die Olympiade in Sydney wird, so hoffen die Organisatoren, durch kurze Entfernungen zwischen den Sportplätzen und den Bau einer neuen S-Bahn-Linie weitgehend ohne Autos auskommen.
Im Olympiapark von Homebush Bay soll es keine öffentlichen Parkplätze geben.
Die Zuschauer können ihren Müll in farbig markierte Abfalleimer trennen und Souvenirs unverpackt kaufen.
Die Athleten sollen sich sogar einem Umweltschutz-Training unterziehen.
Doch auch die schönste Planung hat ihre Schattenseiten."Trotz aller Versprechungen fürchten wir, daß viel Abwasser ungenutzt ablaufen wird", sagt Peggy James.
Noch hofft die Umweltschützerin auf eine biologische Kläranlage, die das Brauchwasser aufbereiten soll.
Ob die Stadt ihr Versprechen einhalten kann, die Spiele möglichst autofrei zu gestalten, bezweifelt Michael Bland.
Zwar werde tatsächlich eine neue, 80 Millionen australische Dollar teure S- Bahn-Linie gebaut, die das Olympiadorf mit dem 14 Kilometer entfernten Sportzentrum in Sydneys City verbinden soll.
Doch zugleich gebe die Stadt weitere 272 Millionen Dollar für neue Straßen und Parkplätze aus.
Schließlich sorgt sich der Umweltschützer wegen des Mülls."Es gibt kaum Anlagen, die den Abfall für die Wiederverwertung aufbereiten können", sagt Bland.
Auch die größten Sponsoren der Spiele, Coca-Cola und McDonald·s, nicht gerade Weltmeister im Müllvermeiden, bereiten ihm Bauchschmerzen."Im Moment können wir nur hoffen, daß die Sponsoren bei der Mülltrennung mitmachen", so Bland.
Das Veranstaltungsgelände, ein ehemaliges Industriegebiet in Homebush Bay, ist noch nicht saniert.
Das mit Schwermetallen und Dioxinen verseuchte Gelände gilt als eine der dreckigsten Industriebrachen Australiens. Für die Sanierung hat die Stadt jetzt 80 Millionen Dollar bereitgestellt, sie ließ 30 000 Bäume pflanzen und über eine Million Grassamen verstreuen; außerdem wurden neun wertvolle Morton-Bay-Feigenbäume versetzt, von denen einer bis zu 100 Tonnen wiegen kann.
Nach der Olympiade wird Homebush Bay als neuer Stadtteil Sydneys erhalten bleiben.
Das olympische Dorf bietet Wohnraum für 6 000 Menschen."Langfristig hoffe ich, daß sich durch die Spiele das Bewußtsein der Bevölkerung verändert", sagt Peggy James.
Und auch Michael Bland glaubt an den Einfluß von Ökolympia auf die Zukunft."Den Bewerbern für die Olympiade 2004, unter ihnen Städte wie Athen, Rom, Kapstadt und Buenos Aires, ist jetzt schon klar, daß Umweltschutz ein Teil der Spiele sein muß", so der Greenpeacer: "Wir erwarten phantastische Verbesserungen und werden natürlich beim nächsten Mal wieder dabeisein."Peter Ottesen sorgt sich derweil um die nächsten drei Jahre."Sydney 2000 kann nur ein Erfolg werden, wenn die ganze Stadt die Idee der grünen Olympiade mit verwirklicht", so der Komitee-Mitarbeiter.
Am 15.September 2000 wird die Welt Sydney an den heutigen Vorgaben messen.
Dann soll auch das olympische Feuer im Stadion von Homebush Bay erstmals aufflammen wenn es nach dem Greenpeacer Michael Bland geht, gespeist von einer Biogasanlage, die aus den Toilettenabwässern der Besucher Strom und Gas erzeugt.

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