AusMag - Australien Informations Magazin


07.11.02

EINE ZELLE REICHT

Australische Forscher haben eine Methode entwickelt, mit der sie erstmals einen genetischen Fingerabdruck aus nur einer einzigen Kšrperzelle erstellen kšnnen. Bislang sind fŸr eine DNS-Analyse Hunderte Zellen nštig, die nicht mit den Kšrperzellen einer anderen Person vermischt sein dŸrfen Ð was in der Praxis oft ein gro§es Problem darstellt. Zwar verliert jeder Mensch pro Minute rund 30 000 Kšrperzellen und legt so eine DNS-Spur Ð doch ist diese oft durch fremde Erbgutreste verunreinigt.

ãMit der neuen Methode kšnnen wir feststellen, welche Personen einmal ein Blatt Papier in der Hand hieltenÒ, sagt Ian Findlay, der das Verfahren entwickelt hat. ãBei Erpressungen und EntfŸhrungen kšnnte dies den entscheidenden Hinweis liefern. Verbrecher mŸssten schon einen Raumanzug tragen, um keine Spuren zu hinterlassen.Ò

Auch bei der AufklŠrung von Mehrfachvergewaltigungen (bei denen sich das Sperma verschiedener TŠter mischt) oder bei Verbrechen, die schon lŠnger zurŸckliegen, soll die neue Methode hilfreich sein. Findlay hofft, dass sie in wenigen Jahren vor Gericht als Beweismittel zugelassen wird. Kritiker wenden jedoch ein, dass das Verfahren fŸr eine sinnvolle VerbrechensaufklŠrung zu empfindlich wŠre, weil hŠufig viel zu viele Personen an einem Tatort ihre Gen-Spuren hinterlassen.

Quelle: Spiegel



07.11.02

RÄTSELHAFTES SCHIFFSWRACK

Die Geschichte Australiens muss eventuell umgeschrieben werden. In der NŠhe von Fraser Island in Queensland entdeckten Forscher ein europŠisches Schiffswrack, das mšglicherweise schon lange vor der Ankunft des KapitŠns James Cook im Jahr 1770 untergegangen ist.

Cook, der Australien fŸr die britische Krone in Besitz nahm, galt bislang als Entdecker des fŸnften Kontinents. Bei dem jetzt aufgespŸrten 30 Meter langen Wrack handelt es sich nach Ansicht von ArchŠologen um eine spanische oder portugiesische Galeone aus dem 16. Jahrhundert. Auf Fotos seien Kanonen zu erkennen, berichtete der Experte Greg Jefferys. Ein internationales Team von Fachleuten soll die Bilder weiter auswerten.

"Wir haben einige Kanonen an Deck gefunden, die darauf hindeuten, dass es sich um ein Eroberungsschiff und nicht um ein gewšhnliches Handelsschiff handelt", sagte Jefferys. Sollte das Wrack tatsŠchlich aus dem 16. Jahrhundert stammen, wŠre bewiesen, dass Cook nicht der erste EuropŠer gewesen ist, der vor der australischen KŸste landete.

Quelle: Spiegel online



07.11.02

PRÄZISER LIEBESAKT

Australische Wissenschaftler haben erstmals intime Einblicke in die Fortpflanzung der Rotalge erhalten. Die Forschungen könnten unter anderem der Sushi-Industrie zugute kommen.

Die Paarung der Rotalge zieht gewöhnlich wenig Aufmerksamkeit auf sich. Zu Unrecht, wie australische Forscher meinen, die jetzt per Videomikroskopie tiefe Einblicke in den Akt der Meerespflanzen gewonnen haben. "Das ist das erste Mal, dass wir ihr Sexualleben an lebenden Zellen untersuchen konnten", sagt die Botanikerin Sarah Wilson.

Über die Rotalgen, die unter anderem als Zutat für Sushi-Röllchen und zur Herstellung von Verdickungsmittel eingesetzt werden, sei ansonsten wenig bekannt, klagt die Studienleiterin von der University of Melbourne. "Ihre Reproduktionsbiologie ist seit über einem Jahrhundert erforscht worden, aber meistens an getrocknetem oder konserviertem Seetang."

Die Fortpflanzung der untersuchten Rotalge setzt, so die Forscherin, bei Flut und geringem Salzgehalt des Wassers ein. Wie Zeitrafferaufnahmen zeigten, stoßen männliche Algen Millionen von Spermien aus, die durch Strömungen zum weiblichen Partner gelangen und dort an Fäden festkleben. "Sie injizieren ihre DNS in die Haare und befruchten so die Eier, die sich an der Basis jedes Haares befinden", erklärt Wilson.

Wilson schildert den Liebesakt des Seetangs als "sehr schön" und "präzise". Alles passiere auf einer mikroskopischen Ebene, die den meisten Menschen verschlossen bleibe. "Die Spermien landen haufenweise und wetteifern darum, wer an das Ei am Boden jedes Haares gelangt", so die Wissenschaftlerin. "Es erinnert ein bisschen an eine Szene aus einem Nachtclub."

Quelle: Spiegel online



10.05.02

SCHLEIMIGER MEHRZELLER

Den vielleicht ersten tierischen Mehrzeller der Entwicklungsgeschichte wollen australische Forscher entdeckt haben. Das wenige Zentimeter lange Tierchen dürfte sich vor allem durch seine Schleimspur ausgezeichnet haben.

Er sieht aus wie ein Wurm, produziert jede Menge Schleim und ist vermutlich mehr als 1,2 Milliarden Jahre alt. Der Mehrzeller, dessen fossile Spuren Birger Rasmussen von der University of Western Australia zusammen mit seinen Kollegen jetzt datiert hat, könnte die bisherige Zeitrechnung der Tiere gehörig durcheinander werfen. Falls die zeitliche Einordnung stimmt.

Denn die Forschungsergebnisse, die die Geologen nun im US-Wissenschaftsmagazin "Science" veröffentlicht haben, stellen lediglich eine plausible Vermutung dar, hundertprozentig sicher sind sie nicht. Schuld daran sind die Spuren, die der seltsame Wurm im australischen Sandstein hinterlassen haben soll: feine, bis zu einem Millimeter breite Abdrücke, die parallel zueinander in einem Abstand von rund zwei Millimeter verlaufen. Die vielfältigen Spuren sind in der Regel mehr als zwei Zentimeter lang und oftmals an einem Ende abgerundet.

Rasmussen hat, wie er in "Science" schreibt, auch nach nicht-biologischen Ursachen für die mysteriösen Spuren gesucht - ohne größeren Erfolg: So hätten Bakterienmatten deutlich unregelmäßigere Abdrücke im Sandstein hinterlassen müssen. Die Spuren von bereits abgelagerten und gefalteten Gesteinsschichten hätten sich dagegen durch rechtwinklige Abschlüsse an einem der beiden Enden verraten. Die konnten im australischen Sandstein aber nicht festgestellt werden. Auch die Vermutung, die Gravuren könnten auf menschliche Werkzeuge zurückgeführt werden, wurde von den Wissenschaftlern verworfen; hierfür verlaufen die Erhebungen in den meisten Fällen nicht parallel genug.

"Die irregulären, aber dennoch überall vorhanden Formen und die konstanten Abmessungen der Markierungen stellen einen guten Beweis für einen biologischen Ursprung dar", sagt Rasmussen. Offensichtlich hat, so der Wissenschaftler, ein über die Oberfläche kriechender Organismus seine schleimigen Spuren im Sandstein hinterlassen, die viele Millionen Jahre später als Gravuren wieder aufgetaucht sind.

Doch damit nicht genug: Durch Untersuchung anderer Strukturen in der Sandsteinplatten ist es den Geologen und Paläontologen gelungen, das ungefähre Alter der Spuren zu bestimmen. Geht man davon aus, dass die möglichen Wurmspuren genauso alt sind wie die restlichen Abdrücke im Sandstein, dann könnte der Einzeller mindestens 1,2 und höchstens zwei Milliarden Jahre alt sein.

Bislang waren Wissenschaftler - in Ermangelung älterer Funde - davon ausgegangen, dass der erste gemeinsame Vorfahre aller bekannten Tiere nicht viel älter als 600 Millionen Jahre sein kann. Analysen der Erbinformation verschiedener Tiere sprechen dagegen eine andere Sprache: Demnach könnten sich die ersten Mehrzeller vor 700 bis 1500 Millionen Jahren entwickelt haben - Zahlen, die mit den potenziellen Wurmspuren im australischen Sandstein übereinstimmen würden.

Quelle: Spiegel online, Alexander Stirn



08.05.02

GRÜNES WUNDER

Ein Vierteljahr nach den verheerenden Buschbränden grünt es wieder in den Wäldern um Sydney. Ursache ist, wie Wissenschaftler enthüllt haben, eine verblüffende Überlebensstrategie der Eukalypten.

Noch vor gut vier Monaten brannte es in den Blue Mountains. Doch mittlerweile schwärmen die australischen Medien von einem "grünen Wunder": Die Eukalyptuswälder 120 Kilometer westlich von Sydney präsentieren sich in einer Üppigkeit, als habe es die fürchterliche "Schwarze Weihnacht" nie gegeben. Für Geoff Burrows jedoch hat die Blätterpracht nichts mit einem Wunder zu tun, sondern mit der natürlichen Fähigkeit der Eukalypten, Feuer zu überleben und sogar zu ihrer Fortpflanzung zu nutzen. Im Laufe der Evolution habe sich die australische Pflanzenwelt den regelmäßig aufkommenden Buschfeuern während der heißen Sommermonate angepasst, so der Forscher von der Charles Sturt University in Wagga Wagga.

Wie genau sich aber Eukalypten nach Feuersbrünsten regenerieren, war lange ein Rätsel. "Bisher wurde einfach angenommen, sie würden wie alle anderen Bäume Keimlinge in der Rinde bilden", sagt Burrows. "Bei Eukalypten stecken sie aber eben nicht in der Rinde, sondern entwickeln sich tief im hölzernen Herz", erklärt der Botaniker die Überlebenskunst der Spezies aus der Familie der Myrtengewächse. "Von der äußeren Rinde führen Stränge in den Baum, die zum Leben erwachen, wenn bestimmte Hormone durch die feurige Hitze aktiviert werden." Auf diese Weise werden junge Knospen produziert.

Durch die geschützten Keimlinge können die Eukalypten den Buschfeuern trotzen: "Ein großer Eukalyptusbaum kann bis zu zwei Zentimetern seiner Rinde verlieren, ohne dass seine Fortpflanzungsstrukturen zerstört werden", sagt Burrows. Damit auch möglichst viele Artgenossen Teil haben an der heißen Fortpflanzung, heizen die Bäume selbst durch die ätherischen Öle in den Blättern die Kraft der Buschfeuer an und fördern so deren Ausbreitung.

Feuer sind seit 65 Millionen Jahren, als Australien noch Teil des gigantischen Urkontinents Gondwana war, fester Bestandteil der Natur von Down under. Die Brände hätten das "Leben von allem und jedem, was freiwillig oder gezwungenermaßen in Australien lebt, entscheidend bestimmt", schrieb bereits der US-Feuerforscher Stephen Pyne 1988 anlässlich der 200-Jahr-Feier der Besiedlung des Kontinents durch die Europäer.

Anders aber als Pflanzen, Tiere und die australischen Ureinwohner hätten die europäischen Siedler nie den Umgang mit den Feuern gelernt, klagt David Jones, freiwilliger Feuerwehrmann und Leiter des Feuermuseums in Penrith: "Der Umgang der Weißen mit dem australischen Feuer ist eine 200 Jahre lange Geschichte der Arroganz. Feuer wird ausschließlich als Bedrohung erlebt."

In diese "Geschichte der Arroganz" reiht sich nach Ansicht von Burrows auch das lange Desinteresse seiner Wissenschaftskollegen an der Überlebenstechnik der Eukalypten ein. So seien erste Erkenntnisse über die einzigartige Fortpflanzung des Nationalbaums, die der australische Forscher Max Jacobs in den fünfziger Jahren gewann, von amerikanischen Kollegen als "Schlampigkeit" abgetan worden.

Inzwischen arbeiten auch Wissenschaftler der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) an der Erforschung des Holzgewächses. Mit der im Oktober vergangenen Jahres gestarteten, umgerechnet rund 35 Millionen Euro teuren "Eucalypt Genome Initiative" soll in den kommenden drei bis vier Jahren eine vollständige Genkarte der Spezies Eucalyptus globulus angelegt werden. Die Sequenzierung soll der Biotechbranche und Holzindustrie des Landes zu Gute kommen und helfen, die Artenvielfalt der Eukalypten zu erhalten.

Von der Fülle der Eukalyptusarten weiß auch Burrows zu berichten: In seiner fünfjährigen Forschungsarbeit, deren Ergebnisse im Januar im Fachblatt "New Phytologist" erschienen sind, hat es der Botaniker geschafft, gerade einmal 20 verschiedene Eukalyptusarten zu untersuchen. "Ich bin aber überzeugt", so Burrows, "dass 90 Prozent der 700 Arten die gleiche Fähigkeit zur Regeneration haben."

Quelle: Spiegel online, Michael Lenz, Sydney



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